Werberat rügt LK-SM

 

Heute hat der Deutsche Werberat eine öffentliche Rüge für den Landkreis Schmalkalden-Meiningen bezüglich des Aufdrucks „Prachtregion“ auf den Spielerinnenhosen des Volleyballvereins „VfB 91 Suhl“ ausgesprochen. Wir, die Jusos Südthüringen begrüßen die Rüge des Werberates und sind unglaublich stolz, dass unsere Argumentation dem heutigen Urteil gleicht. Das Urteil zeigt deutlich, dass wir nicht die einzige kritische Stimme waren, die gegen die sexistische Werbekampagne des Landkreises vorgegangen ist. Hinter diesem Urteil steht eine große Bewegung, die es satt hat, sich bevormunden, diskreditieren zu lassen oder als Mittel für irgendwelche Zwecke gebraucht zu werden. Die Zeit ist reif für mehr Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit. Die Landrätin Peggy Greiser ist mit dieser Kampagne deutlich zu weit gegangen und der Versuch dadurch mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen, mag gegeben sein, allerdings ist diese Kampagne nun mit einem Negativimage behaftet, dass den Wirkungserfolg infrage stellt. Anstatt auf sexistische Werbung zu setzen, sollte lieber eine zeitgemäße Kampagne ins Leben gerufen werden, die unsere Region ausschließlich positiv in Szene setzt. Die veröffentliche Stellungnahme seitens der Landrätin, die behauptet, „Werbefreiheit ist auch Meinungsfreiheit – dafür haben die Menschen in Ostdeutschland vor knapp 30 Jahren hart gekämpft“, ist genau jene Strategie, die auch von der AfD aufgegriffen wird und die darauf abzielt, die Errungenschaften der Ostdeutschen für irgendwelche Zwecke  zu instrumentalisieren- und diese Aussage der Landrätin halten wir wirklich für eine gefährliche Entwicklung! Wir hoffen, dass das Urteil irgendwann im Landratsamt reflektiert wird und gleichzeitig fordern wir, dass solche Rügen an finanzielle Sanktionen gekoppelt werden, um so eine größere Wirksamkeit erreichen zu können. Letztendlich ist es ein großartiger Tag für uns, für den Feminismus und für alle Frauen, die sich immer noch mit Sexismus abkämpfen müssen. Wir danken allen, die dagegen mobilisiert und für mehr Geschlechtergerechtigkeit gekämpft haben. Gemeinsam sind wir stärker und können dem Patriarchat die Stirn bieten.   

 

Anbei findet ihr die komplette Stellungnahme des Werberates:

 

„Als sexistisch und respektlos gegenüber Frauen hat der Werberat die Werbung des thüringischen Landkreises Schmalkalden-Meiningen beim Volleyballbundesligisten VfB 91 Suhl beanstandet. Der Sponsoring-Schriftzug „prachtregion.de“ verläuft auf den Trikothosen quer über das Gesäß der Spielerinnen. Die auf den körperbetonenden Hosen aufgebrachte Werbung lenke die Aufmerksamkeit bewusst auf das Gesäß der Spielerinnen als „Prachtregion“. Damit würden Frauen auf ihr Äußeres reduziert und eine Sexualisierung von Sportlerinnen begünstigt oder jedenfalls toleriert. Die für das Sponsoring verantwortliche Landrätin hatte gegenüber dem Werberat argumentiert, dass die Werbung humorvoll und witzig gemeint sei. Dies überzeugte das Gremium allerdings nicht. Andernfalls ließe sich jede Werbung damit rechtfertigen, dass der Werbungtreibende sie anders gemeint habe. Dabei betonte das Selbstkontrollgremium, dass grundsätzlich auch doppeldeutig gemeinte Werbetexte oder auch provokante Werbeaussagen zulässig sein können, solange die Werbung Personen nicht herabwürdigt oder diskriminiert. Gerade bei dieser speziellen Platzierung der Werbung auf den Hosen der Spielerinnen sei jedoch ein besonderes Augenmaß erforderlich. Darauf hätten auch Vertreter anderer Volleyball-Bundesligisten öffentlich hingewiesen und sich von dem Sponsoring des Landkreises distanziert“.

 

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